FASD und Kita

Der Anspruch auf Förderung in Kindertagesbetreuung (§ 24 SGB VIII) steht auch einem Kind zu, das von FASD betroffen ist. Das Problem dabei ist, dass Kinder mit FASD in einer Regelkindertagesstätte häufig deutlich überfordert sind und nicht bedarfsgerecht gefördert werden können. Hilfe kann in dieser Situation aufgrund des Anspruchs des Kindes auf Teilhabeleistungen geleistet werden. Dieser Anspruch ist im Einzelfall so auszugestalten, dass er dem Bedarf des Kindes auf Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft so gerecht wie möglich wird. Als Angebote stehen dafür besondere Einrichtungen der Tagesbetreuung für Kinder mit Behinderungen als Förderkindergärten zur Verfügung oder es kann ein integrativer Kindergarten besucht werden, der den Vorstellungen des Gesetzgebers in besonderer Weise entspricht (§ 22a Abs. 4 SGB VIII). Daneben ist aber auch eine Teilhabeleistung denkbar, die den Besuch der Regelkindertageseinrichtung ermöglichen soll. Soweit der Besuch der Kindertageseinrichtung als Teilhabeleistung erforderlich ist, liegt die Gewährung im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Trägers der Eingliederungshilfe. Maßgeblich sind in diesem Bereich häufig die jeweiligen Gesetze auf Landesebene.

Der Teilhabeanspruch und der Anspruch eines Kindes mit FASD auf Förderung seiner altersgerechten Entwicklung lassen sich in einer Regeleinrichtung nicht ohne zusätzliche intensive Förderung verwirklichen. Die Förderung der ganzheitlichen und altersgerechten Entwicklung von Kindern mit FASD stößt in einer Regeleinrichtung schon aufgrund der Gruppengröße (Reizüberflutung) und der dann nicht ausreichenden individuellen Betreuung und Förderung schnell an ihre Grenzen. Daher ist eine Integrationshilfe für das Kind das Mittel der Wahl, um das Kind in die Kita zu integrieren. Von Nachteil ist, dass diese einzelne Person nicht über die Bandbreite von Kompetenzen verfügt, die für eine möglichst ganzheitliche Förderung des betroffenen Kindes erforderlich wäre. In einer heilpädagogischen Kindertageseinrichtung bzw. einer Integrationskindertageseinrichtung können dagegen in der Regel interdisziplinäre Leistungen für die Kinder angeboten werden, weil dort eine Auswahl verschiedener Fachkräfte zusammenarbeitet. Andererseits tragen diese Einrichtungen leicht das Stigma einer „Behinderteneinrichtung“, was mit dem Ansatz der Inklusion, insbesondere im Bereich der Förderung von Kindern in Kindertagesbetreuung unvereinbar scheint, da sich im Vorschulalter eine gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung besonders anbietet. Abgesehen von dem Dilemma der Organisation und Zuständigkeit kann im Rahmen der Kindertagesförderung eine Vielzahl spezifischer Eingliederungshilfen wie insbesondere Logo- und Ergotherapie, Krankengymnastik etc. geleistet werden.

Quelle:

Gutachten zu FASD in der sozialrechtlichen Praxis

Einige Rahmenbedingungen und Umgangshilfen für Kinder mit FASD in Kitas bzw. was bei Kleinkindern mit FASD zu beachten ist, können Sie hier nachlesen:
Verhalten von Kleinkindern mit FASD

FASD in allen Altersstufen 

FASD UND SCHULE

Wichtig für die Bewältigung des Schulalltags ist die umfassende Information der Lehrer über FASD. Denn nur das Wissen, dass das Verhalten von Kindern und Jugendlichen mit FASD neurologisch bedingt und nicht böswillig oder eine Folge von Erziehungsfehlern oder Motivationsmangel ist, ermöglicht eine fruchtbare Zusammenarbeit und schulischen Erfolg.

Oft auftretende Schwierigkeiten beim Lernen sind:

  • Unterdurchschnittlicher IQ
  • Schwierigkeiten mit Planung und Organisation
  • Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Schwierigkeiten, Informationen bei Bedarf abzurufen
  • Lernen ist nur in einem spezifischen Kontext möglich, d.h. gelernte Situationen können nicht einfach in einen anderen Kontext übertragen werden
  • Schwierigkeiten mit Abstraktionen wie Zeit und Geld
  • Entwicklungsrückstand in Sprache, Motorik und Sozialverhalten
  • Sensorische Verarbeitungsstörungen
  • Schwierigkeiten in Mathematik (Dyskalkulie), auch mit Geld zählen, herausgeben, ein Budget einhalten und Lesen einer analogen Uhr
  • Schwierigkeiten mit Übergängen zwischen verschiedenen Unterrichtsformen, Sozialformen, Lernorten und Personen
  • Trennung von wichtigen und unwichtigen Reizen, Reizüberflutung

Häufig erscheinen Schüler/innen mit FASD kompetenter als sie sind, da ihre kognitiven Einschränkungen durch sehr gute verbale Fähigkeiten überdeckt werden können. Sie können Lehrer für eine gewisse Zeit blenden, haben es aber dennoch schwer, das Gesagte zu verstehen oder in die Tat umzusetzen.

Das wichtigste sind feste Strukturen und klare Kommunikation. Die Kinder profitieren durch eindeutige Regeln, Routinen und Rituale. Sie benötigen kurze und prägnante Sätze. Kinder mit FASD treten meist freundlich, gesprächig und hilfsbereit auf, sind aber dennoch oft verhaltensauffällig, da sie häufig soziale Signale nicht verstehen.

Oft auftretende Verhaltensauffälligkeiten sind:

  • Frustrationen als Folge von Schwierigkeiten mit Lernen, Aufmerksamkeit können nicht in Worten ausgedrückt werden
  • Aggressionen und Wutausbrüche als Überreaktion auf Lichteffekte, Geräusche oder Berührungen
  • Gedankenloses impulsives Handeln, Erstaunen über Konsequenzen
  • Unangemessenes Sozialverhalten wie zu nah bei anderen stehen, mit jedem mitgehen,  Benutzung von Schimpfwörtern, später auch Schwierigkeiten sexuelle Grenzen (anfassen) einzuhalten
  • Starkes Bedürfnis nach Freunden und sozialem Erfolg sind oft Anlass in „schlechte“ Kreise zu geraten. Alles tun ohne zu merken, dass es falsch ist

Maßnahmen und Unterstützung:

  • Räumlichkeiten und Umgebung anpassen und förderlich gestalten. Reduzierung visueller und akustischer Ablenkung
  • Anpassen der eigenen Haltung und Streben nach größerem Verständnis. Lernen, schlechtes Benehmen zu interpretieren
  • Änderung des Unterrichtsstils. Lernspiele am Computer, da dieser geduldig immer wieder die Anforderungen wiederholt

Jeder Schüler mit oder ohne FASD braucht das Gefühl in irgendetwas gut zu sein. Und Kinder mit FASD haben auch besondere Talente und Fähigkeiten!