FASD: Jugendliche und Erwachsene

Patentrezepte für die Arbeit mit Jugendlichen, die von FASD betroffen sind, gibt es nicht – aber erfolgversprechende Strategien, die auf der Beachtung folgender Regeln aufbauen:

Anschaulichkeit
Jugendliche mit FASD können gut folgen, wenn Eltern und Pädagogen sich einfach und deutlich ausdrücken und alle Zweideutigkeiten oder komplizierten Redewendungen vermeiden. Da ihre soziale und emotionale Kompetenz nicht altersgemäß entwickelt ist, hilft es, sie wie jüngere Kinder zu sehen, damit Hilfestellungen ankommen, Erklärungen verstanden werden etc.

Widerspruchsfreiheit
Wegen der FASD-bedingten Schwierigkeit, Lernerfahrungen von einer Situation auf eine andere zu übertragen, empfiehlt es sich, die Rahmenbedingungen möglichst stabil zu halten. Dies schließt den Sprachgebrauch der Betreuer ein. Pädagogen und Eltern sollten sich absprechen, welche Worte sie in Schlüsselsituationen wählen und wie Anweisungen formuliert werden. 

Wiederholung
FASD-Jugendliche haben chronische Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Sie vergessen, was sie gerne behalten wollen und auch das, was bereits gelernt wurde und über eine gewisse Zeit präsent war. Damit irgendetwas dauerhaft behalten werden kann, muss es ständig wiederholt werden. 

Routine
Jugendliche mit FASD brauchen feststehende Routinen, die sich nicht täglich verändern – um zu wissen, was als nächstes erwartet wird, um ihre Ängstlichkeit zu reduzieren und ihnen so das Lernen zu ermöglichen.

Überschaubarkeit
FASD-Betroffene sind schnell reizüberflutet. Dann schalten sie ab und können keine weiteren Informationen aufnehmen. Deshalb ist eine reizarme Umgebung Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen.

Genauigkeit
Sagen Sie genau, was sie meinen. Denken Sie daran, dass FASD-Betroffene mit Abstraktionen und Verallgemeinerungen Schwierigkeiten haben und nicht in der Lage sind, Nicht-Gesagtes zu ergänzen, wenn Anforderungen an sie gestellt werden. Sagen sie Ihnen Schritt für Schritt, was sie tun sollen, um geeignete Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu entwickeln.

Struktur
Struktur ist der „Mörtel“, der die Welt von Jugendlichen mit FASD zusammenhält und ihr einen Sinn verleiht. Wenn dieser Mörtel wegfällt, stürzen die Mauern ein. FASD-Betroffene können nur dann etwas erreichen und erfolgreich sein, wenn ihre Welt angemessene Strukturen als überdauerndes Fundament bietet.

Aufsicht
Aufgrund der eingeschränkten kognitiven Möglichkeiten gehen FASD-Betroffene mit Naivität an alltägliche Situationen heran. Sie brauchen – ähnlich wie jüngere Kinder – ständige Aufsicht, um Gewohnheiten und Muster für angemessenes Verhalten zu entwickeln.

Wenn eine Situation mit einem FASD-Betroffenen chaotisch ist und es keine Möglichkeit zur Einflussnahme gibt, dann gilt:

  • Handlung unterbrechen!
  • Beobachten
  • Genau zuhören, um herauszufinden, wo es hakt
  • Fragen: Was fällt dir schwer? Was könnte helfen?

Copyright: Acht "magische Schlüssel" für eine erfolgreiche Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die von FASD betroffen sind. Deb Evensen und Jan Lutke, 1997

Übersetzung: Petra Meyer, Ev. Verein Sonnenhof e.V., Neuendorfer Str. 60, 13585 Berlin