Was ist FASD?

Alkohol ist ein Zellgift, das die Plazentaschranke zwischen Mutter und ungeborenem Kind durchdringen kann. Die Schädigungen des Ungeborenen sind in Abhängigkeit von Zeitpunkt und Dosis des Alkoholkonsums vielgestaltig und häufig schwerwiegend. Alle Formen dieser vorgeburtlichen Schädigungen werden unter dem Begriff FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst. FASD ist die häufigste nicht genetisch bedingte Ursache für angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, Wachstums- und Entwicklungsstörungen sowie für extreme Verhaltensauffälligkeiten. Es entsteht ausschließlich durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und wäre kostenlos ohne Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen zu 100% vermeidbar.

Kinder mit FASD sind für ihr gesamtes Leben geschädigt, wobei die größten Probleme oft in der Bewältigung des Alltags liegen. Ein normales Leben in der Gesellschaft ist nur den wenigsten Jugendlichen und Erwachsenen mit FASD möglich.

FASD-PRÄVENTION

Schon Jugendliche, insbesondere Mädchen, sollten umfassend über die Risiken, die Alkohol für das ungeborene Kind hat, aufgeklärt werden.

Starker Alkoholkonsum in der Schwangerschaft wird grundsätzlich als schädlich wahrgenommen, während ein Gläschen Rotwein am Feierabend oder ein „kreislaufstärkendes“ Glas Sekt als harmlos betrachtet wird. Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Fachöffentlichkeit fehlt vielen die Kenntnis über die Risiken selbst geringer Alkoholmengen während der Schwangerschaft.

Um möglichen lebenslangen Schädigungen und Behinderungen durch FASD vorzubeugen, sollte während der Schwangerschaft zu hundert Prozent auf Alkohol verzichtet werden!

Da nicht abschließend geklärt ist, wann und in welchem Ausmaß Alkoholgenuss in der Schwangerschaft bleibende Schäden beim Fötus auslöst, sollten Gynäkologen und Beratungsstellen für Schwangere von jeglichem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft abraten. Bei einer vorliegenden Alkoholabhängigkeit der werdenden Mutter sollte eine Suchttherapie durchgeführt werden.

FASD-DIAGNOSE

Viele Eltern oder Betreuer scheuen sich davor, eine Diagnose stellen zu lassen oder den Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen, da sie Angst vor Abstempelung und Stigmatisierung haben. Eine gesicherte und fundierte Diagnose kann Eltern, Erziehern, Betreuern, Ärzten und Therapeuten jedoch helfen, die Probleme und Schwierigkeiten von Menschen mit FASD besser einzuordnen und entsprechend zu therapieren.

Mit einer gesicherten Diagnose können Hilfen, die unter Umständen auch im Erwachsenenalter dringend notwendig sind, eher genehmigt werden. Diese Hilfen sind je nach Alter und Schweregrad der Schädigung unterschiedlich. Die Diagnose ist nicht einfach und sollte auf jeden Fall von speziell geschulten Ärzten durchgeführt werden. Wichtig ist wenn möglich eine gesicherte Alkoholanamnese der Mutter.

Das optimale Alter für die Diagnose von FASD liegt zwischen acht Monaten und acht bzw. 10 Jahren, da die charakteristischen Gesichtsmerkmale im Jugend- und Erwachsenenalter weniger ausgeprägt sind. Neben typischen äußeren Merkmalen, kognitiven Störungen sowie Problemen in Wahrnehmung, Sprache und Motorik belasten v.a. soziale Verhaltensstörungen und emotionale Auffälligkeiten Eltern und Umfeld.

Quelle: Kurzfassung der Leitlinie „Fetales Alkoholsyndrom – Diagnostik“ von Dr. Mirjam Landgraf und Prof. Dr. Florian Heinen

Ärzteliste

http://www.fasd-deutschland.de/hilfe-bei-fasd/aerzte.html

Diagnose und Hilfe für Kinder und Jugendliche:

Fachzentrum für FASD, Sozialpädiatrisches Zentrum Leipzig, www.fhle.de

FAS-Ambulanz, Tagesklinik Walstedde, www.tagesklinik-walstedde.de

Spezialambulanz für FASD, Heckscher-Klinikum München

iSPZ Hauner, integriertes Sozialpädiatrisches Zentrum im Dr. von Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München, www.ispz-hauner.de

FASD-Zentrum Berlin

Sozialpädiatrisches Zentrum der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen, Kontakt

Diagnose und Hilfe für Erwachsene:

FASD-Fachzentrum, Evangelischer Sonnenhof e.V., Berlin
fasd-fachzentrum.de/fasd-sprechstunde/
Mittwochs von 17-18 Uhr unter Tel. 030-367 50 933
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In Berlin können Sie sich an Prof. Dr. Spohr wenden: www.fas-spohr.de
Oder an das KEH: https://www.keh-berlin.de/de/fasd-ambulanz

In der Nähe von Osnabrück diagnostiziert Dr. Gerhardt
Paracelsus-Wiehengebirgsklinik
Kokenrottstraße 71
49152 Bad Essen

Und in Essen Lisa Francke 
M. Sc. Psychologin
Tel. 0201 / 7227-265
lisa.francke(at)lvr.de
LVR-Klinikum Essen
Klinik und Institut der Universität Duisburg-Essen
Virchowstraße 174
45147 Essen

Ambulanz der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen, www.psychiatrie.uk-erlangen.de, Dr. Bernd Lenz, Dr. Judith Walloch

FASD-THERAPIE

Solange FASD nicht erkannt wird, sind Therapien häufig unwirksam. Es gibt keine spezifische Therapie für FASD, da es sich um alkoholbedingte Funktionsdefizite des zentralen Nervensystems handelt. FASD ist nicht heilbar!

Therapien helfen aber, das Potential, das in den Kindern steckt, zu fördern und zu unterstützen. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass das Kind nicht übertherapiert wird. In der Regel kommt es im Laufe der Zeit zu einer Verbesserung, danach folgt häufig ein Stillstand. Man meint, nichts geht mehr, aber häufig geht es nach einer Zeit des Stillstandes wieder weiter nach vorne.

Geeignete Therapien:

  • Frühförderung
  • Krankengymnastik
  • Ergotherapie
  • Sprachtherapie
  • Motopädie
  • Musiktherapie
  • Hippotherapie
  • Kinesiologie
  • Medikamentöse Therapie, z.B. mit Methylphenidat (z.B. Ritalin, Medikenet)
  • Homöopathie
  • Ernährung hat eine große Bedeutung!

Eine Ernährungsumstellung auf basische aber auch verträgliche Kost ist hilfreich, da häufig Lebensmittelallergien zu beobachten sind. Häufig bestehen auch Verdauungsprobleme. Somit ist die beste Kost nicht unbedingt eine kräftige Körnerkost, sondern eine schonende basische Ernährung mit reichlich Vitaminen und Mineralstoffen.